| in Barnsdale
Wir befinden uns in Mittelengland,
in einer Zeit, die man später als das „Hochmittelalter“
bezeichnen wird. In England regiert eine Obrigkeit
aus Adel und Klerus mit harten Gesetzen und mit Unnachgiebkeit.
Ein
Mann hetzt durch das Unterholz des Waldes. Das schmutziggraue
Leinenhemd
ist schweißgetränkt, immer
wieder peitschen Zweige sein Gesicht. Seit mehr als
einer Stunde verfolgen ihn nun schon die Wildhüter
und Jagdaufseher des Grafen mit ihren Hunden. Einen
Hasen hatte er mit einer Schlinge gefangen. Den musste
er nun schon zurücklassen – jetzt geht es um sein
Leben. Wenn sie ihn kriegen, wird er nicht erst
vor Gericht
gestellt, das erledigen seine Verfolger gleich
hier im Wald. Was wird dann aus seiner Frau und
seinen drei
Kindern …
Nach der Eroberung Englands durch die Normannen
im Jahre 1066 sind nahezualle wichtigen gesellschaftlichen
Positionen durch normannische Familien besetzt.
Die Bevölkerung besteht aber überwiegend aus Angelsachsen
sowie Dänen und Keltoromanen. Durch die Machtübernahme kommt es zur vollständigen Entmachtung des angelsächsischen
Adels und eine grundlegende Umstrukturierung der bestehenden Gesellschaft wird durchgeführt.
Es wird eine "moderne" normannische Verwaltung eingerichtet und eine "Kirchenreform" durchgeführt.
Unter Heinrich II. wird den englischen Wäldern und deren Nutzern ein schweres Bewirtschaftungsrecht
aufgebürdet. Für die Bauern bedeutet das Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Armut und Hunger und immer wieder
auch Widerstand.
In dieser Zeit wird ein Mann der Widerstand leistet
von der Obrigkeit verurteilt und geächtet. Er flieht
vor der ungerechten Strafe und versucht, indem er ähnlich
Behandelte um sich schart, sich zu rächen und sich
auf eigene Faust Recht und Gehör zu verschaffen. Als
edler Räuber nimmt er den Reichen und gibt den Armen.
Seine Waffe - der lange Bogen, seine Kleidung - grün.
Die Legende von Robin Hood basiert auf mehreren
historischen Quellen und gut ein Dutzend Personen
könnten für diese
Legende Pate gestanden haben. Ursprünglich soll
er zur Zeit Edwards II. oder Edwards III. gelebt
haben.
Später werden seine Abenteuer in einer frühere
Zeit, in die Zeit der Herrschaft von Richard
I. (den meisten
besser bekannt als Richard Löwenherz) angesiedelt.
Mal war er ein einfacher Mann aus dem Volke,
in anderen Erzählungen eher ein junger angelsächsischer
und manchmal gar ein normannischer Edelmann (mit
Namen Robert of Huntington, Robert
von Locksley oder Robert
Fitz Ooth), welcher die Gunst der
Mächtigen
und seinen Grundbesitz verlor.
Hier soll aber nicht geklärt oder diskutiert
werden, ob es „den“ Robin Hood wirklich je gegeben
hat, ob er wirklich den Reichen nahm und den
Armen gab oder eher dies nur für sich und seine
Gefährten stahl. Fakt ist, der Mythos Robin
Hood hat die Fantasien der Menschen
seit vielen hundert Jahren immer wieder angeregt, er ist zum Sinnbild für
den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung schlechthin geworden
und zugleich Vorbild und Anregung für viele (nicht nur für Kinder), sich
mit dem Bogenschießen
zu beschäftigen. Wer als Freund des traditionellen Bogenschießens aus eben
jenem Grund dieses Hobby gewählt hat, ist oft geneigt, während des Trainings
oder bei öffentlichen
Veranstaltungen diese Sympathie auch offen zu zeigen („Nachahmung ist die
größte
Form der Bewunderung“). Deshalb besteht oft der Wunsch, mehr zu erfahren über
die Zeit des Robin Hood und auch zu diesen Anlässen eine „authentische“
Kleidung zu tragen.
Doch wie sah das Leben zur Zeit eines Robin Hood eigentlich aus? Wie
kleideten sich die Menschen der verschiedenen Stände, wie sahen Häuser,
Werkzeuge und Waffen aus? Was und womit aßen die Menschen jener Zeit? Warum
brauchten die Menschen gerade in dieser Zeitspanne einen Volkshelden wie
Robin Hood?
Diesen
Fragen wird auf den folgenden Seiten nachgegangen.
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